Florian Guckelsberger |||

© Sebastian Backhaus© Sebastian Backhaus

In Tschernobyl soll das radioaktive Erbe nun ordentlich vermarktet werden, von einer Million Besucher ist bereits die Rede. Kann das gutgehen?

Am Eingang zur Postapokalypse fehlt es an Toilettenpapier und Seife. My dear tourists”, ruft Irina Smirnova den Besuchern auf dem Weg zu den Toiletten hinterher. Wer Desinfektionsmittel braucht, kommt bitte zu mir.” Den Mangel geahnt, hebt eine ukrainische Touristin zur Antwort die mitgebrachte Papierrolle in die Höhe. Beide Frauen lachen, als wäre es ein Witz für Eingeweihte.

Die Touristengruppe steht an der Kontrollstation Dytiatky im Norden der Ukraine. Von hier sind es noch 30 Kilometer zu jenem Ort, den Tourguide Smirnova später am Tag als Hölle auf Erden vorstellen wird: Das Atomkraftwerk Vladimir Ilyich Ulyanov Lenin. Zwei Autostunden von der Hauptstadt Kiew entfernt, wurde es nach dem 26. April 1986 als AKW Tschernobyl weltweit bekannt. In dieser Nacht sorgt eine Melange aus menschlichem Versagen und technischen Mängeln des Reaktortyps für eine Explosion in Block 4. Heute schützt eine Sperrzone die Menschen vor dem radioaktiven Erbe des Kraftwerks.

Deren Außengrenze wird jedoch immer häufiger übertreten. 128.000 Besucher haben 2019 Tickets bei einem der vielen Tour-Anbieter gekauft. Nur der Anfang, wenn es nach der ukrainischen Regierung geht. Schon hat Kiew bei der UNESCO beantragt, einzelne Bauten auf dem Gelände als Weltkulturerbe unter besonderen Schutz zu stellen — so soll das Areal für die Nachgeborenen erhalten werden und künftig noch attraktiver für Besucher werden. Eine Million Touristen seien leicht möglich, bekräftigte zuletzt Kulturminister Oleksandr Tkatschenko.

… vollständige Reportage lesen (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)

… vollständige Reportage hören (Deutschlandfunk Kultur — Weltzeit)

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