Florian Guckelsberger |||

Geflüchtete Uiguren sind selbst im Ausland nicht vor der chinesischen Regierung sicher. Ein Besuch in Istanbul.

Das Blaulicht des Polizeiwagens flackert über wütende Gesichter. Hunderte Uiguren sind auf der Straße zusammengekommen. Es ist spät, die Stimmung vor dem Buchladen ist aufgeheizt. Tief im Westen von Istanbul schleppen Polizisten Säcke voller Bücher aus dem Buchladen — durch die aufgebrachte Menge — und verladen sie in einen LKW. Dann endet das Video. Es wurde von einem Anwohner aufgenommen und machte später auf Twitter die Runde.

Ich habe gerade mit einem Kunden gesprochen, als zwei Polizisten in den Laden kamen. Die beiden habe ich erkannt, sie waren bei der ersten Razzia dabei. Sie machten Fotos. Ich fragte, ob alles in Ordnung sei und sie antworteten, es liegen Beschwerden gegen dich vor. Dann kamen fünf oder sechs weitere Polizisten herein.”

Abdulla Turkistanli seufzt. Sein Rücken ist nach 13 Jahren in chinesischen Gefängnissen kaputt. Aber auch die Erinnerungen an den 14. März schmerzen. An diesem Abend stürmen türkische Polizisten seinen Buchladen in Istanbul — zum zweiten Mal. Turkistanli ist sicher: Auch dieses Mal steckt eine Beschwerde der chinesischen Regierung hinter dem Einsatz.

Denn der 56-Jährige verkauft in seinem Laden uigurische Literatur. Gebundene Bücher, aber auch selbst ausgedruckte PDF-Dokumente. Abdulla stammt aus Xinjiang und will die Schriften der Heimat der Uiguren für die nächste Generation bewahren. In der Volksrepublik China ist das nicht mehr möglich.

… vollständige Reportage hören (Deutschlandfunk Kultur — Weltzeit)

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