Florian Guckelsberger |||

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Steckt in deutscher Markenkleidung Baumwolle aus Zwangsarbeit? Eine Spur führt über die Plantagen und Fabriken der chinesischen Region Xinjiang bis in die Lager großer Bekleidungsunternehmen.

Neun Zeitzonen und über 5.000 Kilometer trennen die Innenstädte von Berlin und Hamburg mit ihren Geschäften voller Sport- und Luxusmarken von der chinesischen Region Xinjiang. Und doch sind die Orte miteinander verbunden: Im Nordwesten Chinas wird weltweit gefragte Baumwolle angebaut, geerntet und verarbeitet. Und dieser Recherche zufolge findet sich das daraus gesponnene Garn offenbar in Kleidung deutscher Modemarken: Adidas, Hugo Boss, Puma, Jack Wolfskin und Tom Tailor.

An sich wäre das kein Problem, bestünde nicht der Verdacht, dass die Baumwolle aus Xinjiang durch Zwangsarbeit gewonnen wird. In der chinesischen Region hat die Regierung von Staatspräsident Xi Jinping über Jahre ein industrielles System der Unterdrückung aus Arbeitslagern und Gefängnissen geschaffen. So schuften vor allem Angehörige muslimischer Minderheiten für das chinesische Wirtschaftswunder. Uiguren, Kasachen, Kirgisen und andere, die aus Sicht Pekings die Einheit der Volksrepublik gefährden. In Xinjiang will man sie offenbar umerziehen — und beutet sie dabei auch wirtschaftlich aus.

Wegen dieser Vorwürfe haben die USA seit Januar 2021 den Import von Baumwollprodukten aus Xinjiang unter Strafe gestellt. Deutsche Unternehmen wie Hugo Boss, Adidas und Puma hatten damals versichert, aus der Region keine Baumwolle zu beziehen — oder dies künftig nicht mehr tun zu wollen. Doch wie glaubhaft sind solche Behauptungen angesichts der Tatsache, dass ein Fünftel der weltweit produzierten Baumwolle aus Xinjiang stammt?

Diese Reportage ist das Ergebnis monatelanger Recherche. Eine Reise, Schritt für Schritt entlang eines roten Fadens, der Plantagen in Xinjiang mit Läden in deutschen Innenstädten verknüpft. Sie führt uns in ein Labor im niederrheinischen Jülich und nach Manchester, Istanbul und andere Orte, die nicht genannt werden dürfen. Chemische Analysen, Frachtbriefe, in einem Teppich geschmuggelte Baumwolle und Aufnahmen des Satelliten Sentinel-2 werden eine Rolle spielen.

Wir haben Menschen getroffen, die Opfer von Zwangsarbeit auf den Feldern und in den Fabriken von Xinjiang geworden sind, und einen, der das System von innen kennt. Er sagt, dass er früher selbst verschleppt und gefoltert hat und heute, wie seine Opfer, in Angst vor dem chinesischen Sicherheitsapparat lebt. Und wir sprechen mit einer Person, die seit Jahrzehnten in China arbeitet und überzeugt ist: Wer hier Geschäfte macht, kann nicht ausschließen, dass er von Unterdrückung profitiert.

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