Florian Guckelsberger |||

Armenien hat den Krieg um Bergkarabach verloren. 100.000 Menschen sind geflohen. Im Exil sorgen sich viele um die Kirchen, Klöster und Kreuzsteine, die sie zurücklassen mussten.

Hell klingt das Glockenspiel der Sankt-Thaddäus-Kirche. Mühelos übertönt es das Schreien der Kinder auf dem nahen Spielplatz und auch die alten Männer im Park blicken kurz auf. In Masis, tief im Westen Armeniens und nur wenige Kilometer von der Grenze zur Türkei entfernt, wird heute geheiratet. Der verlorene Krieg ist zumindest ein paar Stunden vergessen.

Benjamin Saturjan steht abseits der Hochzeitsgesellschaft in der Sonne. Der Priester ist vor wenigen Wochen aus der umkämpften Region Bergkarabach geflohen. Er ist einer von 100.000 Menschen, die seit Mitte September aus Furcht vor den aserbaidschanischen Siegern ins armenische Kernland geströmt sind.

Bei meiner Flucht trug ich bequeme Klamotten, wir saßen ja mehr als einen Tag lang im Auto. Meine Mutter hatte mich gebeten, keine Soutane zu tragen, damit die Aserbaidschaner nicht sehen, dass ich ein Priester bin. Ich habe keinen Zweifel, dass sie gezielt nach uns gesucht haben. Wenn sie schon einfache Gläubige quälen, was würden sie erst mit uns anstellen. Wir waren mit dem Tod bedroht.

Der letzte Waffengang zwischen den verfeindeten Ländern dauerte nur 25 Stunden — dann gaben sich die Armenier geschlagen. Neben Häusern und Habseligkeiten ließen sie auch etwas anderes zurück: ihr christliches Erbe in Form von Kirchen, Klöstern und kunstvoll gehauenen Kreuzsteinen, den so genannten Khachkars.

… vollständige Reportage hören (Deutschlandfunk — Tag für Tag)

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